Statement: Weinbaustudium in Rheinland-Pfalz

Wolfgang Heeß

Deutschland hat seit 1872 einen weltweit anerkannten Ort für die akademische Ausbildung von Weinbau und Oenologie in Geisenheim!

Es bleibt unverständlich, warum das Ministerium für Weinbau in Rheinland-Pfalz, gegen die Empfehlung vieler Berufsverbände, auch unserer,  einen ländereigenen Versuch startet und an der FH Ludwigshafen in Verbindung mit der DLR Neustadt einen zweiten akademischen Ausbildungsweg für Weinbau und Oenologie in Deutschland aufbauen möchte.

Damit wird nachhaltig die weinbauliche Forschung und Lehre, aber auch die Beratungsaufgabe für Weinbau in Deutschland gestört und finanziell geschwächt.

Ein Kommentar von BDO-Ehrenpräsident Dipl.-Ing. Wolfgang Heeß, Der Oenologe, 1/2008:

Championsleague gegen Landesliga 

So könnte der Vergleich lauten, wenn man an die Fachhochschule Geisenheim denkt und an die Idee des Wirtschaftsministeriums, einen vergleichbaren Studiengang in Rheinland-Pfalz aufzubauen. Man muss sich schon wundern, mit welchen unausgegorenen Ideen sich Politiker beschäftigen – ohne Rücksprache mit den verschiedenen Gremien der Weinwirtschaft – zumal überall über leere Kassen geklagt wird. Ausgeheckt wurde die Einrichtung des neuen Studiums von Staatssekretär Prof. Dr. Siegfried Englert, der vor seinem politischen Engagement an der Fachhochschule Ludwigshafen tätig war. Nach den letzten Informationen von Weinbauminister Hendrik Hering sollen für diesen "Schmalspur-Bachelor"-Studiengang pro Jahr 800.000 Euro investiert werden. Zusätzlich sind noch weitere Kosten für Hörsäle geplant. Ein Ausbau der Technikerschule in Bad Kreuznach wäre sicher sinnvoller.

Die Hochschulausbildung für Weinbau, Oenologie und internationale Weinwirtschaft in Geisenheim existiert seit Jahrzehnten und genießt hohes internationales Ansehen. Mit der Etablierung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist eine fundierte praktische und wissenschaftliche Ausbildung bis hin zur Promotion möglich. In den letzten Jahren haben gerade die Geisenheimer Absolventen mit dazu beigetragen, dass sich die Qualität des deutschen Weines so positiv entwickelt hat.

Im Rahmen der in Deutschland geführten hochschulpolitischen Diskussion um eine Reduzierung der Agrarfakultäten dürfte die Idee des Wirtschaftsministeriums gegenüber den parlamentarischen Verantwortlichen und dem Steuerzahler nur schwer zu rechtfertigen sein. Hinzu kommtnoch, dass die Anzahl der Weinbaubetriebe, der Kellereien und der Winzergenossenschaften immer weniger werden wird und daher mit einem Anstieg der Studierenden in den nächsten Jahren nicht gerechnet werden kann. Wie Weinbauminister Hering einen angeblichen Fehlbedarf an Nachwuchskräften errechnet hat, ist kaum nachzuvollziehen, zumal mit den betreffenden Verbänden der Weinwirtschaft bisher noch kein einziges Gespräch geführt wurde. Auch mit der Fachhochschule Geisenheim ist erstmals im Januar Kontakt aufgenommen worden.

In den 90er Jahren, als in Geisenheim für einige Jahre eine Zugangsbeschränkung (Numerus clausus) bestand, wäre die Idee des Hochschulstudiums in Rheinland-Pfalz eher angebracht gewesen. Die SPD/FDP-Regierung hat damals jedoch nicht unbedacht gehandelt. Heute mit der "Macht der Alleinregierung" neigt man leider zu solchen unüberlegten Entscheidungen.

Der Bund Deutscher Oenologen mit all seinen weltweit tätigen Mitgliedern wird auf jeden Fall den Standort Geisenheim weiterhin unterstützen. Lehrlinge und Praktikanten, die in Betrieben von Geisenheimer Absolventen ausgebildet werden, werden sicher auch in Zukunft ihr Studium in Geisenheim absolvieren. In der Landtagsdebatte hat die Opposition mit Recht dieses "Prestigeprojekt" als planlos, inhaltslos und konzeptionslos bezeichnet. Die Tatsache, dass das Wissenschaftsministerium noch nicht von diesem Studiengang überzeugt ist, zeigt den eigenwilligen Alleingang des Wirtschaftsministeriums. Es ist zu hoffen, dass Ministerpräsident Beck bei seinen gelegentlichen Besuchen in Mainz noch ein Veto einlegen wird.

 

 

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